Religiöser Extremismus? Prävention!

Sie hören und lesen in den Medien und in Ihrem Umfeld immer wieder das Schlagwort „religiöser Extremismus” und Prävention? Islamismus, Salafismus und der Zusammenhang von Extremismus und Religion beschäftigen Sie in Ihrer Arbeit und Sie merken, dass die Aufklärung zu kurz kommt?

Prävention gegen religiös bedingten Extremismus beginnt damit, die richtige Sprache zu sprechen. Religiös begründeter Extremismus ist der korrekte Fachbegriff, welcher aus der Forschung und der pädagogischen Praxis des Arbeitsbereiches kommt und im breiten Sprachgebrauch leider noch nicht flächendeckend übernommen wurde. Doch Differenzierung ist im Bezug auf Extremismus und Religion immens wichtig und notwendig – worauf wir als BAG RelEx besonderen Wert legen.

Wir verwenden explizit den Zusatz begründet, weil nicht die Religion an sich extremistisch ist – wie man bei dem Begriff religiöser Extremismus denken könnte. Stattdessen wird eine Religion zur Begründung extremistischer Ideologien und Vorstellungen genutzt und für Extremismus instrumentalisiert.

Zivilgesellschaftliches Engagement für Prävention und Deradikalisierung

Die Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus, kurz BAG RelEx, fördert und unterstützt die bundesweite Vernetzung von zivilgesellschaftlichen Akteuren aus ganz Deutschland, die sich für eine erfolgreiche und nachhaltige Prävention und Deradikalisierung auf dem Feld des religiös begründeten Extremismus engagieren.

Wir bieten eine Plattform für Auseinandersetzung und Fachaustausch. Des Weiteren unterstützen wir die Erarbeitung sowie Weiterentwicklung von Qualitätsstandards und greifen dabei auf die Kompetenzen unserer Mitgliedsorganisationen zurück.

Vor dem Hintergrund der gesellschaftspolitischen Relevanz steht die Islamismusprävention im Fokus unserer Arbeit. Seit Anfang 2025 bauen mit IFAK e. V., ufuq e. V. und modus|zad gGmbH im Rahmen des Projekts KN:IX connect | Verbund Islamismusprävention und Demokratieförderung die bundeszentrale Infrastruktur im Bereich der Islamismusprävention aus. Für diese Arbeit wird die BAG RelEx im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben!” durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und durch die Landeskommission Berlin gegen Gewalt gefördert.

Unsere Arbeit umfasst folgende Schwerpunkte:

  • Vernetzung
  • Fachaustausch
  • Weiterentwicklung

Wir vertreten die Interessen der zivilgesellschaftlichen Träger der Präventions- und Deradikalisierungsarbeit gegenüber Politik, Wissenschaft und Verwaltung und bringen deren Erfahrungen und Perspektiven in die fachwissenschaftliche und politische Debatte ein.

Außerdem informieren wir Interessierte im Themenfeld, vermittelten Ansprechpartner*innen vor Ort und bringen auf Anfrage Interviewpartner*innen und Expert*innen mit Journalist*innen und Medienvertreter*innen zusammen.

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Gemeinsam gegen religiös begründeten Extremismus

Die BAG RelEx ist von 25 Trägern gegründet worden und mittlerweile auf 37 Mitgliedsorganisationen aus dem gesamten Bundesgebiet gewachsen. Gemeinsam gegen religiös begründeten Extremismus: Das war der Gründungsgedanke der BAG RelEx im November 2016.

Seit Beginn der 2000er-Jahre taucht der irreführende Begriff “religiöser Extremismus” in der Berichterstattung auf. Auslöser dafür sind Bestrebungen islamistisch begründeter Radikalisierungen, welche seitdem mit anderen Formen von politischem Extremismus (Rechtsextremismus, Linksextremismus bzw. linke Militanz) zu einem gesellschaftlichen Problem wurden – mitunter auch durch Bereitschaft zur Ausübung von Gewalt bis hin zu Terrorismus.

Unsere Mitgliedsorganisationen decken mit Projekten und Angeboten in Primär-, Sekundär- oder Tertiärprävention alle Bereiche der Radikalisierungsprävention ab. Zum einen gibt es Projekte aus dem Bereich der politischen Bildung, welche Toleranz, Demokratie und die Teilhabe an der Gesellschaft fördern, andere Träger haben Beratungsstellen für Radikalisierung beziehungsweise Deradikalisierung. Die Angebote der Präventionspraxis richten sich u. a. an Schulen, pädagogische Fachkräfte oder weiteren Einrichtungen in den Bereichen Bildung. Fortbildungen für Fachkräfte werden beispielsweise auch für Mitarbeitende im Bereich der Kriminalprävention angeboten, die in der Deradikalisierung von Extremist*innen und damit verbundener Intervention, Distanzierungs- und Ausstiegsarbeit tätig sind.

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Demokratieförderung zur Prävention von religiös begründetem Extremismus

Religiös begründeter Extremismus umfasst verschiedene Ideologien und Strömungen. Diese werden in der Arbeit der BAG RelEx berücksichtigt. Religiös begründeter Extremismus ist ein weltweit verbreitetes Phänomen, und nahezu alle großen Religionen werden von extremistischen Gruppierungen instrumentalisiert. Anhänger*innen extremistischer Ideologien eint die Abwertung und Ablehnung der demokratischen Grundwerte.

Es handelt sich um religiös begründeten Extremismus, wenn Gruppierungen und Bewegungen den demokratischen Verfassungsstaat abschaffen wollen. Die Extremist*innen bemühen sich, ein politisches System zu installieren, das nur eine spezifische Auslegung einer Religion toleriert. Es werden Gleichschaltung und Homogenisierung aller gesellschaftlichen Sphären (Gesellschaft, Politik, Kultur, Staat etc.) anstrebt. Diese Umgestaltung der Gesellschaft wird nicht nur, aber auch mithilfe von Gewalt und einer militanten, aktiv-kämpferischen Haltung verfolgt, die die Beseitigung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung (FDGO) anstreben.

Mit ihren Strategien und den Maßnahmen in der Primär-, Sekundär- oder Tertiärprävention setzen sich unsere Mitgliedsorganisationen für Demokratieförderung, gesellschaftliche Teilhabe und Integration ein.

Die Angebote unserer Mitgliedsorganisationen im Bereich der Prävention richten sich an folgende Personen und Institutionen:

  • Menschen, die sich über das Themenfeld religiös begründeter Extremismus, Islamismus oder Salafismus und Extremismus-Prävention informieren möchten
  • Menschen, die rechtsstaatliche, demokratische und menschenrechtliche Normen und Werte ablehnen
  • Menschen, die letztlich Gewalt gegen andere Menschen und Institutionen als legitimes Mittel ansehen

Die Zielgruppen sind je nach Projekt sowohl Kinder, Jugendliche und (junge) Erwachsene mit Radikalisierungstendenzen. Auch Eltern und weitere Angehörige erhalten Rat und Hilfe. Die vielfältigen Angebote richten sich u. a. an Schulen, Sozialarbeiter*innen und Fachkräfte anderer Institutionen und Bereiche. Einige Träger bieten auch online Angebote an oder vermitteln Bildung im Umgang mit und Schutz vor extremistischen Inhalten im Internet.

Wir widmen uns im Rahmen der Präventionsarbeit gesamtgesellschaftlichen Aufgaben wie Demokratieförderung, politischer Bildung, gesellschaftlicher Teilhabe und erhalten den fachlichen Austausch via Fachtage, Fachgespräche und (Online-) Workshops. Das Angebot unserer Mitgliedsorganisationen umfasst lokale, kommunale und bundesweite Maßnahmen.

Islamismus- und Salafismus-Prävention

Islamismus ist eine Form des religiös begründeten Extremismus. Der Begriff  Islamismus ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene radikalisierte Gruppierungen und Bewegungen, welche nur eine spezifische Interpretation des Islams als allgemeingültig akzeptieren und keine Toleranz für andere Auslegungen aufweisen. Die Religion, an dieser Stelle der Islam, wird für extremistische Zwecke instrumentalisiert. Hier finden Sie weitere Informationen zu Islamismus und Islamismusprävention.

Relevante Teilaspekte der Ideologien können u. a. Antiimperialismus, Antikolonialismus, Antisemitismus und Antifeminismus sein. Extremist*innen sind dabei nicht zwangsläufig gewalttätig. Die Anwendung von Gewalt und das Verhältnis zu Terrorismus ist je nach Gruppe und Akteur*in unterschiedlich. Salafismus wird gemeinhin als Erstes mit Islamismus assoziiert und ist dessen größte Strömung. Deshalb beinhalten viele der diversen Angebote und Ansätze unserer Mitgliedsorganisationen auch Maßnahmen und Strategien zur Salafismus-Prävention.

Aufgrund der sicherheitspolitischen und gesellschaftlichen Relevanz liegt die Präventionsarbeit islamistischer Formen des Extremismus aktuell im Fokus der BAG RelEx. Zusammen mit ufuq.de und Violence Prevention Network (VPN) haben wir von 2020 bis 2024 das Kompetenznetzwerk „Islamistischer Extremismus“, kurz KN:IX, umgesetzt.

Anders als das Bundesinnenministerium (BMI), das Bundeskriminalamt (BKA) und der Verfassungsschutz nehmen wir keine Klassifizierung vor. Zudem veröffentlichen wir keine Listen extremistischer Gruppen oder einzelner Gefährder*innen. Die Vorbeugung von Kriminalität ist nicht unsere primäre Aufgabe, auch wenn unsere Angebote und die unserer Mitgliedsorganisationen im Bereich der Prävention- und Ausstiegsarbeit einen nachhaltigen Beitrag dazu leisten.

Extremismus: Religion als Rechtfertigung für Radikalisierung

Religiosität darf mit Fundamentalismus nicht verwechselt werden. Denn auch wenn sich einige Extremist*innen der Religion bedienen, um ihre Ideologien und mitunter auch die Anwendung von Gewalt zu rechtfertigen, darf gerade jenes Narrativ radikalisierter Gruppierungen in der medialen Berichterstattung und gesellschaftlichen Debatte nicht bestätigt werden.

Die Debatte um Islamismus und Salafismus kann durch eine fehlende Differenzierung und Aufklärung antimuslimischen Rassismus befeuern. Es wäre außerdem eine vertane Chance, verschiedene Formen des Extremismus ausschließlich unabhängig und isoliert voneinander zu betrachten. Denn bei religiös begründetem Extremismus handelt es sich um politische Ideologien. Perspektiven aus der Forschung weisen z. B. darauf hin, dass sich religiös begründeter Extremismus und Rechtsextremismus zuweilen ähnlicher Argumentationsmuster bedienen und Radikalisierungstendenzen sowie die Motive, sich einer radikalen Gruppe anzuschließen, sich in Teilen ähneln können. Einige Projekte arbeiten deshalb phänomenübergreifend, das bedeutet sie betrachten mehrere Formen von Extremismus.

Fachkräfte aus Forschung, Politik und Verwaltung zu vernetzen, kann die Extremismus-Prävention erheblich erweitern. Weiterführende Infos finden Sie in unserer Mediathek und unter unseren Publikationen.

Warum wir von “religiös begründetem Extremismus” sprechen

Wir verwenden ausdrücklich den Begriff religiös begründeter Extremismus und distanzieren uns klar von dem Ausdruck “religiöser Extremismus”, da Religion nicht an sich extremistisch ist. Außerdem verwenden wir den Begriff Islamismus unter Vorbehalt, da sich diese Begriffe in aktuellen Debatten auf die Entwicklungen seit dem 11. September 2001 beziehen. Religiös begründeter Extremismus allgemein und islamistischer Extremismus im Spezifischen umfassen jedoch ein breiteres Spektrum.

Aktuelles

3. April 2025Lasst die Bubble platzen! – Miteinander kontrovers im Dialog

Bildungsformat zur Förderung der Medienkompetenz und Meinungsbildung in unserer vielfältigen Gesellschaft Mit dem Projekt „Lasst die Bubble platzen! – Miteinander kontrovers im Dialog“ erweitern die Kolleg*innen von Mosaik Deutschland e. V. ihr außerschulisches Angebot. Dieses richtet sich an Erwachsene sowie Jugendliche ab 14 Jahren, mit dem Ziel, deren Medien- und Informationskompetenz zu stärken. In einer […]

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27. März 2025KOALITIONSIMPULS | Inputpapier für die neue Bundesregierung

Laden Sie hier die policy:brief Sonderausgabe (PDF) herunter. Die Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl 2025 bieten die Chance, den ganzheitlichen Ansatz zur Prävention von Islamismus weiter zu stärken und unsere Gesellschaft durch das Fördern gemeinsamer und demokratischer Werte widerstandsfähig zu machen.  Zivilgesellschaftliche Akteure spielen dabei eine zentrale Rolle in der Prävention von religiös begründetem Extremismus – […]

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17. März 2025Zu Gast bei „Debatte zu Dritt“

Wieso radikalisieren sich junge Menschen und welche Rolle spielen soziale Medien in einem Radikalisierungsprozess? Um diese Fragen zu diskutieren war Jamuna Oehlmann, Geschäftsführerin der BAG RelEx, zu Gast im Podcast Debatte zu Dritt von Tim Guldimann.

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Termine

09. April 2025, onlineInterne Veranstaltung für die Mitgliedsorganisationen

Fachaustausch Primärprävention (09. April)

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15. April – 05. Juni 2025, OnlineVeranstaltung von CEOPS (AVP e. V.)

CEOPS-Lehrgang

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September – Dezember 2025, Bochum, Berlin & onlineWeiterbildung von IFAK e. V. und Violence Prevention Network gGmbH

EVOLUO kompakt

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Mai – November 2025, Berlin & onlineFortbildung von IZRD e. V.

Fortbildungskurs – Kinderschutz, religiös begründeter Extremismus & antidemokratische Weltanschauungen

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